Otto Waalkes hatte das Zeug zum Versager. Natürlich hat er nichts daraus gemacht. Stattdessen hat er ein paar Dutzend ausverkaufte Tourneen gemacht, millionenfach verkaufte Tonträger, TV-Quotenhits, Bücher an der Spitze der Bestsellerlisten, Filme mit insgesamt über 30 Millionen Besuchern und da er nicht gestorben ist, macht er auch so weiter. Sein Vorname „Otto“ steht für ein ganzes Programm.

- Am Anfang -
Dabei hat auch Otto einmal ganz klein angefangen: Am 22. Juli 1948 kam er in Emden als Baby zur Welt. Komiker wurde er aus Notwehr, war er doch immer der Kleinste in seiner Klasse. Bereits als Kind trat der Friesenjunge öffentlich auf: Bei Musikwettbewerben trug er den Babysitter-Boogie vor („Da gab es als ersten Preis einen Warengutschein im Wert von 30 Mark und das Buch Meuterei auf der Bounty “). Zu seinem zwölften Geburtstag erhielt Otto ein Geschenk, das sein weiteres Leben prägen sollte - seine erste Gitarre. Bereits zwei Jahre später stand er der Rockband „The Rustlers“, die in ganz Ostfriesland berüchtig war, als Gitarrist und Frontmann vor.

- Die ersten Jahre -
Das zeichnerische Talent erbte Otto von seinem Vater Karl, einem Malermeister - und schuf damit schon in jungen Jahren seine treuesten Begleiter, die er „Ottifanten“ taufte. Auf dem Schulhof tauschte er selbstgezeichnete Bilder gegen Festnahrung: „Für ein paar gute Ottifanten-Zeichnungen haben die mir Brote mitgebracht. Meine Mutter machte immer so komische, die nicht schmeckten.“ Wegen seiner Frisur wäre er um ein Haar, das offenbar zu lang war, von der Schule geflogen. Die Abiturprüfung bestand er 1968 im Zeichen der allgemeinen Liberalisierung mit der Note „aufreizend“. Sofort begann Otto in Hamburg ein Studium der Pädagogik in den Fächern Englisch und Kunst. Zum Glück hatte er nie eine Chance, es erfolgreich abzuschließen, denn „schon beim Praktikum in der Schule haben die Kinder nur gerufen: Jollahahittiiih, mach den Tarzanruf! Die kannten mich schon.“ So wechselte er 1970 an die Hochschule für Bildende Künste und verdiente sein Geld mit Gesangsauftritten. Ähnlich wie die Beatles vor ihm machte er sich in den Kneipen und Clubs der Hamburger Musikszene einen Namen; eine Zeit lang wohnte der Kunststudent mit Marius Müller-Westernhagen und Udo Lindenberg in einer Wohngemeinschaft zusammen.

- Rüssl Räckords -
„Ich habe halt ein bisschen rumgedödelt und Folklore gemacht. Mir ist immer das Mikro runtergefallen. Und ich habe mich dafür entschuldigt. Die Entschuldigungen sind immer besser angekommen als die Lieder. Ich bin bis heute bei den Entschuldigungen geblieben.“ Weil keine Plattenfirma den Live-Mitschnitt seines Auftrittes im Hamburger Audimax veröffentlichen wollte, gründete Otto mit seinem Freund und Manager Hans Otto Mertens ein eigenes Plattenlabel namens „Rüssl Räckords“. Hier verlegten sie Ottos Alben, die bis 1985 eine Auflage von fast sechs Millionen Stück erreicht hatten.

- Die Erfolgsstory -
1973 strahlte der WDR Ottos erste Fernseh-Show aus, der noch zehn weitere folgen sollten. „Otto - die Serie“, eine eigenwillige Mischung aus Wallace-Thriller und Waalkes-Komik, markierte Mitte der 90er Jahre das vorläufige Ende des TV-Werks. Denn bereits 1985 hatte der Alleinunterhalter mit „Otto - Der Film“ Medium gewechselt und das gleich mit dem erfolgreichsten deutschen Spielfilm seit Zuschauerzahlen gezählt werden: In West und Ost waren es am Ende fast 15 Millionen. Seitdem drehte er vier weitere Otto-Filme als Hauptdarsteller, Regisseur, Drehbuchautor und/oder Komponist, bevor er im frühen 21. Jahrhundert mit seinem langjährigen Mitautor Bernd Eilert die „Zipfelmützen-Film“ gründete und als Produzent für „7 Zwerge - Männer allein im Wald“ mitverantwortlich war. Als Synchronsprecher versuchte er sich unter anderem als vorlauter Drache Mushu in Disneys „Mulan“, und maulfleißiges Faultier Sid in „Ice Age“ und „Ice Age 2“.

- und was kommt nun? -
Ein neues Abenteuer der 7 Zwerge hat im Herbst Premiere, die nächste Tournee ist in Planung und ein Ende von Ottos komischem Tatendrang ist nicht abzusehen - obwohl die angesehene Wochenzeitschrift „Die Zeit“ bereits nach seinem ersten TV-Auftritt 1973 sinngemäß prophezeite: „Otto - ein Name, den man sich nicht merken muss, da in einem Jahr ohnehin niemand mehr von ihm sprechen wird.“